Forschung

Menschen mit ALS wünschen sich mehr Robotik in der Pflege

Aufgrund der funktioneller Einschränkungen haben Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) hohe pflegerische Bedarfe und benötigen eine komplexe Hilfsmittelversorgung. Der gezielte Einsatz von Robotik – oder auch Robotertechnik – kann dazu beitragen, dass die Patientenautonomie gestärkt und die Pflege entlastet wird. Vor diesem Hintergrund arbeiten Experten im Ambulanzpartner-Netzwerk an dem Einsatz von Roboter-gestützten Assistenzsystemen bei der ALS.

Im Rahmen dieser Arbeiten wurde die Akzeptanz von Roboter-gestützten Assistenzsystemen bei Patienten mit ALS untersucht. Die spannenden Ergebnisse wurden auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im November 2019 mit dem Fachpublikum diskutiert (www.dgnkongress.org/images/docs/abstracts2018/#351) und sollen in diesem Newsletter allen Interessierten im Ambulanzpartner-Netzwerk vorgestellt werden.

Akzeptanz von Robotik in der Pflege bei der ALS

Mit der Studie wurde die Akzeptanz von Roboter-unterstützten Assistenzsystemen aus der Perspektive von ALS-Patienten systematisch analysiert. Insbesondere wurde die grundsätzliche Offenheit von Patienten mit ALS für Robotertechnik und speziell die Akzeptanz gegenüber eines teilautomatisierten Robotik-Arms zur Unterstützung der Pflege untersucht.

Die Studie `Robotik in der Pflege bei der ALS´

Die Studie wurde als sogenannte prospektive Kohortenstudie entwickelt und von August bis Oktober 2017 durchgeführt. Untersucht wurden Patienten mit der Diagnose einer ALS. Die Datenerhebung erfolgte online über die „Ambulanzpartner“ Versorgungs- und Forschungsplattform (www.ambulanzpartner.de). Die Technikbereitschaft wurde mittels der Kurzskala nach Neyer (2012) gemessen; die Akzeptanz gegenüber eines Robotik-Arms mittels eines mehrdimensionalen Fragebogens, dem ein Kurzfilm zu einem Roboter-Arm vorgeschaltet war. Der Schweregrad der ALS wurde anhand der erweiterten ALS-Funktionsskala (ALSFRS-extended) ermittelt.

Ergebnisse der Studie zur Akzeptanz von Robotik

Insgesamt nahmen 89 ALS-Patienten an der Studie teil (Tabelle). Die Technikbereitschaft der befragten Patienten lag im oberen Drittel (49 von 60 Punkten) und unterschied sich nicht wesentlich zwischen Frauen und Männer (47 vs. 49 Punkte) sowie dem Alter der Patienten.


Die Auswertung des Fragebogens zur Akzeptanz von Robotik zeigte, dass 35 % der Befragten (n=30) sich bereits über den Einsatz robotergestützter Assistenzsysteme informiert hatten.

13 % (n=11) der Studienteilnehmer nutzen diese bereits im Alltag (z. B. Service-Roboter). 23 % (n=20) der Befragten befanden sich bereits in einer Situation, in der sie sich einen Roboter zur pflegerischen Unterstützung gewünscht hätten. Aktuell von einem Robotik-Arm profitieren würden 26 % (n=23) der Teilnehmer.

40 % (n=34) können sich vorstellen den Robotik-Arm für körperferne Handlungen (z. B. Gegenstände greifen) zu verwenden; 38 % (n=32) auch für körpernahe Handlungen (z. B. Kratzen). Die Notwendigkeit eines Robotik-gestützten Assistenzsystems als verordnungsfähiges Hilfsmittel sehen 80 % (n=67) der Patienten.



Abbildung: Akzeptanz gegenüber dem Robotik-Arms, 6-Punkte Likert-Skala, Quelle Ambulanzpartner

Die Studie zeigt den Wunsch nach Robotik für mehr Autonomie und Unterstützung der Pflege

Die meisten befragten Patienten mit ALS zeigten grundsätzlich eine hohe Offenheit für Technik und stehen dem Einsatz technischer Assistenzsysteme positiv gegenüber. Konkret besteht aus der Perspektive der Patienten ein aktueller Bedarf zum Einsatz eines Robotik-Arms in der Pflege. Dabei steht der Wunsch mit dem Robotik-Arm die Patientenautonomie zu erhalten und die Pflege zu unterstützen im Vordergrund. Der Einsatz eines Robotik-Arms als Hilfsmittel in der Pflege wird von der Mehrheit der Befragten als notwendig bewertet.

Die Ergebnisse der Studie bieten eine Orientierung für den zukünftigen Einsatz von Robotik bei Patienten mit ALS. Roboter-gestützte Assistenzsysteme könnten sich als große Hilfe erweisen, wenn es darum geht, möglichst lange Teilhabe und Patientenautonomie zu ermöglichen.

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Forschungsvorhabens ROBINA (www.projekt-robina.de) gefördert.