Wie und wo erfolgt die Anpassung einer Maskenbeatmung bei der ALS?
Die Maskenbeatmung wird zumeist während eines Krankenhausaufenthaltes angepasst. Die Krankenhausbehandlung dauert etwa sieben bis zehn Tage. Eine Verlängerung der Krankenhausbehandlung darüber hinaus ist auch möglich, wenn die Anpassung der Maskenbeatmung komplexer ist. Wenige Kliniken in Deutschland haben sich auf die Anpassung der Maskenbeatmung von ALS-Patienten spezialisiert. Dabei kann es sich um Lungenkliniken handeln, die (neben der Expertise für Lungenerkrankungen) sich auf dem Gebiet der Neurologie (insbesondere der neuromuskulären Erkrankungen einschließlich ALS) spezialisiert haben. Andererseits sind auch neurologische Kliniken entstanden, die (neben der neurologischen Expertise) einen Kompetenzschwerpunkt bei der Beatmungsmedizin entwickelt haben.
In anderen Kliniken sind Schlafmediziner tätig (zumeist in einer Kooperation zwischen Fachärzten für Neurologie und Innere Medizin), die über ihre Grunderfahrung bei der Behandlung der Schlafapnoe (die ebenfalls mit einer Maskenbeatmung behandelt wird) einen fachlichen Zugang zur Beatmungsmedizin gefunden haben. Daher können, je nach Region und Klinik, unterschiedliche Spezialisten (Neurologen, Pneumologen oder Schlafmediziner) die Anpassung der Maskenbeatmung vornehmen. Der Ort der Anpassung kann ebenfalls sehr unterschiedlich sein: In einem Schlaflabor, auf einer spezialisierten »Beatmungsstation«, auf einer Überwachungs- oder Intensivstation oder in einer neurologischen Abteilung. Unter günstigen Voraussetzungen kann die Anpassung auch in einer Tagesklinik oder Spezialambulanz durchgeführt werden.
Die ambulante Behandlung ist nur möglich, wenn das geeignete spezialisierte Personal und die räumlichen Bedingungen vorhanden sind. Außerdem müssen die medizinischen Umstände dafür geeignet sein. So sollten keine schwere bulbäre Symptomatik oder eine hochgradige Atemfunktionsstörung vorliegen. Während des Krankenhausaufenthaltes wird die Anpassung durch Atmungstherapeuten (spezialisierte Pflegefachkräfte mit einer Zusatzausbildung im Bereich der Beatmungsmedizin) sowie durch Fachärzte vorgenommen.
Dabei wird eine Maske ausgewählt, die für die Nasen-, Mund- und Kopfgröße geeignet ist. Die Maske ist über ein Schlauchsystem mit einem Beatmungsgerät verbunden, an dem individuelle Beatmungsparameter eingestellt werden. Mit einer Grundeinstellung wird die Maske zur Nacht angelegt. Während des Nachtschlafes werden verschiedene Beatmungsparameter überwacht (Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Kohlendioxidkonzentration). In Abhängigkeit von den genannten Beatmungsparametern und dem subjektiven Erleben der Beatmung durch die Patienten (Entlastung von der Atemanstrengung sowie mögliche »Nebenwirkungen« der Maske) werden die Beatmungsparameter in der folgenden Nacht weiter verändert und angepasst (»Adaptation«). Mit jeder Nacht werden schrittweise die Parameter soweit adaptiert, dass ein optimales Gleichgewicht zwischen einer wirksamen Behandlung (mit ausreichenden Beatmungsdrücken) und einer möglichst geringen Belastung des Patienten durch die Maskenbeatmung entsteht.
Dieser Anpassungsprozess ist mit der Suche der geeigneten Dosis eines Medikamentes vergleichbar, bei dem ebenfalls die geeignete Dosis gefunden werden muss, die eine optimale Wirkung mit möglichst geringen Nebenwirkungen (oder sogar ohne jegliche Nebenwirkungen) ermöglicht. Auch bei der Maskenbeatmung muss die geeignete »Dosis« der Beatmungsmedizin gefunden werden. Daher ist der Zeitraum der Maskenanpassung vor der Krankenhausaufnahme nicht genau planbar. Im Einzelfall kann die Anpassung schneller oder eben auch langsamer als geplant gelingen. Daher sollte bereits vor der stationären Aufnahme ein zeitlicher Spielraum eingeplant und eine gewisse »Geduld« mitgebracht werden.



