Was ist ein Lymphödem?
Ein Lymphödem ist die Ansammlung von Gewebsflüssigkeit (Lymphflüssigkeit) in den Extremitäten, die durch eine unzureichende Aktivität der Muskulatur entsteht. Bei der ALS sind Lymphödeme der Hände und Unterarme sowie der Unterschenkel ein häufiges Symptom. Im gesunden Körper besteht ein Gleichgewicht zwischen einer Zufuhr des Blutes zu den Extremitäten (in Arterien) und dem Rücktransport des Blutes (nach Verbrauch von Sauerstoff und anderen Stoffwechselprodukten) zurück zum Herzen (in den Venen).
Die Zufuhr des Blutes wird durch Muskeln innerhalb der Arterien befördert (spürbar als »Puls« der Arterien). Die Muskulatur der zurückführenden Blutgefäße (Venen) ist wesentlich schwächer. Der Rückfluss des Blutes ist von einer Muskelaktivität der Extremitätenmuskulatur abhängig, die dazu beiträgt, die Venen in Richtung des Körpers »auszupressen« (Venen-Muskel-Pumpe). Bei einer Schwäche der Muskulatur findet der Blutzustrom über die Arterien (mit eigener Muskulatur und dem »Puls«) unverändert statt, während der Abstrom des Blutes durch Lähmungen und der damit verbundenen Verminderung der Venen-Muskelpumpe nicht mehr ausreichend ist. In der Folge entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Zu- und Abfluss des Blutes, veränderten Druckverhältnissen im Gewebe und einer Ansammlung von Gewebsflüssigkeit.
Das Lymphödem kann zu einer schmerzhaften Anspannung der Haut führen und zusätzliches Gewicht in der ohnehin geschwächten Extremität erzeugen. Durch eine Lymphdrainage oder durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen sowie durch Hochlagerung der Extremitäten kann das Lymphödem reduziert werden. Das Lymphödem ist ein häufiges Symptom bei hochgradigen Lähmungen und ein wichtiges Behandlungsziel in der Physiotherapie und Hilfsmittelversorgung.
