Welche Hilfestellung geben Ergotherapeuten bei der Anpassung von Hilfsmitteln?
Bei der Anwendung von Hilfsmitteln sind verschiedene Phasen zu unterscheiden. Am Anfang steht die Bedarfsermittlung: Liegen motorische Defizite vor, die vom eigenen Körper nicht mehr kompensiert werden können? Welche Einschränkungen ergeben sich im Alltag und Aktionsradius aus dem motorischen Defizit und wie kann ein Hilfsmittel dazu beitragen, dieses Defizit zu überwinden? Bereits bei dieser Bedarfsklärung kommt Ergotherapeuten eine wichtige Rolle zu. Die Defizite werden von Patienten selbst, von Ärzten, aber auch von Ergotherapeuten im Rahmen ihrer Therapie oder durch gesonderte Termine festgestellt, die expliziter Bedarfsermittlung dienen. In einer zweiten Phase der Hilfsmittelversorgung wird das notwendige Hilfsmittel (z. B. ein Elektrorollstuhl) an den individuellen Körper und die Bedürfnisse des Patienten angepasst.
Die Anpassung und Erprobung wird überwiegend von Hilfsmittelversorgern vorgenommen. Insbesondere bei Hilfsmittelversorgern der komplexen Versorgung (z. B. bei Sanitätshäusern für Elektrorollstuhlversorgung, Sondersteuerung und Umfeldsteuerung) sind Ergotherapeuten wichtige Mitarbeiter im Team des Sanitätshauses und nehmen die Anpassung des Hilfsmittels vor (z. B. bei der individuellen Anpassung der Rollstuhlsteuerung an den Patienten oder die Programmierung von Sondersteuerungen entsprechend den Bedürfnissen des Nutzers).
Auch unabhängig von Sanitätshäusern können Ergotherapeuten bei der Anpassung von Hilfsmitteln unterstützend sein. So kann die Ergotherapie-Einheit für die Anleitung, Korrektur und Übung des Hilfsmitteleinsatzes genutzt werden. Damit werden Unsicherheiten der Patienten bei der Hilfsmittelversorgung überwunden, Anwendungsfehler korrigiert und Risiken, die sich aus einer fehlerhaften Anwendung des Hilfsmittels ergeben können, reduziert. So kann die Nutzung eines Elektrorollstuhls mit psychologischen Hemmnissen, aber auch durch offene technische Fragen eingeschränkt sein. Ergotherapeuten können eine wichtige Hilfestellung bieten, diese offenen Fragen direkt oder nach Rücksprache mit Sanitätshäusern zu klären.
Eine weitere Herausforderung der Hilfsmittelversorgung ist die Anpassung der Hilfsmittel an einen veränderten Bedarf. Ergotherapeuten kommt – neben Ärzten und Hilfsmittelversorgern – durch ihre kontinuierliche Begleitung des Krankheitsprozesses die Rolle zu, den veränderten Bedarf zu erkennen und die Hilfsmittel auf die veränderten Defizite anzupassen. So ist bei technischen Hilfsmitteln die Kontaktaufnahme mit einem Sanitätshaus mit einer Veranlassung der veränderten Geräteeinstellung (z. B. Umprogrammierung der Sondersteuerung eines Elektrorollstuhls bei reduzierten Bewegungsmustern) oder die Umversorgung eines Hilfsmittels notwendig. In allen Fragen der Hilfsmittelversorgung können Ergotherapeuten eine wichtige unterstützende Funktion einnehmen.



