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Welchen Nutzen hat die ALS-Funktionsskala aus Arzt-Perspektive?

Das Ergebnis der ALS-Funktionsskala (ALSFRS-R) ist für Ärzte in spezialisierten Ambulanzen von besonderem Interesse. Auf Grundlage der ALSFRS-R lässt sich die ALS-Progressionsrate (ALSPR) bestimmen, die ein etablierte Maß der Erkrankungsgeschwindigkeit darstellt. Die Veränderung der ALSFRS-R pro Monat ist ein wesentlicher Prognosefaktor der ALS, der in der ärztlichen Einschätzung der individuellen Prognose von wesentlicher Bedeutung ist.

Bestimmte Fragen der ALSFRS-R dienen als Entscheidungskriterium für Medikamente (z. B. bei der Frage 1 zur Sprechstörung oder der Frage 2 zum überschüssigen Speichelfluss) und zur Überprüfung einer Wirksamkeit der eingesetzten symptomatischen Medikation (z. B. DMC bei einer Sprechstörung oder Ipratropiumbromid bei überschüssigem Speichelfluss). Auch für die Veranlassung von Hilfsmitteln (z. B. einer Rollstuhlversorgung bei hochgradiger Einschränkung des Gehens) kann die ALSFRS-R herangezogen werden. Über die Frage 3 der ALSFRS-R wird das Vorliegen einer Schluckstörung standardisiert erfasst. Diese Daten können – neben der Gewichtsmessung – für die Entscheidungsfindung für eine Ernährungssonde (PEG-Sonde) hilfreich sein. Zur Erfassung der Atemfunktionsstörung (Dyspnoe) sind aus ärztlicher Perspektive vor allem die Fragen 10 und 11 von Bedeutung. Diese Fragen betreffen die Atemanstrengung bei Belastung und in Ruhe (Frage 10) sowie beim Liegen in einer schlafenden Position (Frage 11). Die systematische Erfassung der Dyspnoe hat den Vorteil, dass eine mögliche Atemanstrengung frühzeitig erkennbar ist und dokumentiert wird. Diese Angaben können für behandelnde Ärzte unterstützend sein, um eine Entscheidung für eine Atemhilfe mit einer Maskenbeatmung treffen zu können.