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Was ist eine Peroneusorthese?

Der Nervus peroneus (»Wadenbeinen-Nerv«) ist für die Steuerung der Fuß- und Zehenhebung verantwortlich. Eine Muskelschwäche und Lähmung der Fußhebermuskulatur kommen, wird als »Peroneusparese« bezeichnet. Der Fuß kann beim Laufen nicht mehr vollständig angehoben werden und wird zu einem Hindernis beim Gehen. Bei Beginn der Symptomatik kommt es zu einem wiederholten »Stolpern« oder »Hängenbleiben« an der eigenen Fußspitze. Neben einer Muskelschwäche (Parese) kann auch eine zunehmende Muskelspannung (Spastik) zu einem Überwiegen der Fußsenkung und damit zu einer »Spitzfußstellung« kommen. Auch in dieser Konstellation wird die eigene Fußspitze zu einem Hindernis des Laufens und Gehens.

Mit einer Peroneusorthese kann der Fall- oder Spitzfuß verringert und das Laufen verbessert werden. Durch Medikamente ist im gegenwärtigen Stand der Medizin noch keine Wiederherstellung der Muskelfunktion realistisch. Daher steht die Stabilisierung der Muskelschwäche durch eine Peroneusorthese im Vordergrund. Unter der Peroneusorthese ist eine »Schiene« des Fußes zu verstehen, die eine Schwäche der Fußhebermuskulatur ausgleicht. Diese Orthese besteht aus einer Halteplatte der Fußsohle (mit Verhinderung des Absinkens des Vorderfußes), die wiederum über einen Winkel (oder ein verstellbares Gelenk) mit einem Halteschaft am Unterschenkel verbunden ist. Die Peroneusorthese besteht zumeist aus Karbon, um bei einem geringen Gewicht eine hohe Stabilität und zugleich gewisse Flexibilität zu erreichen. Karbon ist ein moderner Werkstoff, der diese gewünschten Eigenschaften (geringes Eigengewicht, hohe Belastbarkeit und definierte Dehnbarkeit) beinhaltet. Neben dem Karbon (für das Basisgerüst) kommen noch Schaumstoffe und Klettverschlüsse zur Anwendung, um die Orthese am Unterschenkel und Fuß zu fixieren. Bei einer hochgradigen Peroneusparese können auch andere Werkstoffe, z. B. individuell gegossene Kunststoffe oder Metallapplikationen zur Anwendung kommen.

Auch die Spastik des Fußes (mit Sitzfußstellung und Kontraktur der Achillessehne) kann besondere Anforderungen an eine Peroneusparese stellen. Bei einer hohen spastischen Muskelspannung kann die Anfertigung der Orthese aus Materialien erforderlich sein, die eine höhere Stabilität aufweisen und in der Lage sind, dem Muskeldruck (der durch die Spastik entsteht) größeren Widerstand zu leisten. In bestimmten Konstellationen kann der Einbau von »Gelenken« in die Orthese notwendig sein, um eine Verstellbarkeit des Fußwinkels und damit die Anpassung der Orthese an die sich verändernde Kontraktur zu ermöglichen. In speziellen Situationen kann es gelingen, eine bereits bestehende Sehnenverkürzung durch Verstellen des Orthesenwinkels zu reduzieren und den Spitzfuß wieder in eine regelrechte Position zu bewegen (»Redression«). Diese Korrektur kann nur über eine langfristige und kontinuierliche Anwendung eines leichten Druckes (über einen Zeitraum von Wochen und Monaten) erreicht werden.

Bei der ALS besteht die besondere Herausforderung einer fortschreitenden Erkrankung, sodass im gesamten Erkrankungsverlauf veränderte Bedingungen entstehen. Daher ist eine Korrektur von Kontrakturen nur im Ausnahmefall realistisch und anzustreben. Bei der überwiegenden Zahl der Peroneusorthesen ist der Defizitausgleich des Fallfußes und die Stabilisierung im Fußgelenk sowie die Verbesserung des Laufens ein realistisches Versorgungsziel.

Von der Versorgung mit »einfachen« Kunststofforthesen ist abzuraten, da zumeist die Stabilität und Belastbarkeit durch diesen Werkstoff nicht ausreichend ist. Lediglich bei einer sehr leichten Fußheberschwäche kann die Versorgung mit einer Kunststofforthese (oder Zugbandagen mit Klettverschlüssen am Unterschenkel und Schuhwerk) geeignet sein. Die meisten Peroneusorthesen sind mit regulärem Schuhwerk zu tragen. Aufgrund der Vielfältigkeit von verfügbaren Peroneusorthesen und der individuellen körperlichen Voraussetzungen zum Tragen einer Peroneusorthese ist die Versorgung durch ein Sanitätshaus zu empfehlen, das auf die Versorgung von ALS-Patienten spezialisiert ist.

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