Was ist ein Multifunktionsrollstuhl?
Mit einem Multifunktionsrollstuhl lassen sich viele (»multi«) Änderungen und Einstellungen am Rollstuhl vornehmen. Die Rumpfposition kann mit einer Sitzkantelung verändert werden. Weiterhin lässt sich eine Kopfstütze an der verstellbaren Rückenlehne montieren und damit eine stabile Kopfposition herstellen. Auch die Beine sind durch veränderte Fußrasten hochzulagern und in der Position änderbar.
Multifunktionsrollstühle werden auch als »Pflegerollstühle« bezeichnet. Diese Rollstühle kommen in erster Linie für die Lagerung und Pflege von Schwerstkranken zum Einsatz, die nicht mehr in der Lage sind, eine eigene Steuerung des Rollstuhls vorzunehmen (z. B. Patienten nach Hirntrauma, Schlaganfall und anderen Hirnerkrankungen).
An dieser Stelle liegt der kritische Aspekt bei Multifunktionsrollstühlen bei der ALS: Eine Veränderung der Sitzneigung oder der Fußrasten durch den Patienten selbst ist technisch nicht möglich, obgleich ALS-Patienten die kognitiven Voraussetzungen aufweisen. Sämtliche Positionsänderungen (Sitzkantelung oder Veränderung der Beinposition) müssen durch Angehörige oder Pflegepersonal vorgenommen werden. Unter dem Aspekt der Patientenautonomie sind Multifunktionsrollstühle bei Menschen mit ALS nur in bestimmten Konstellationen (z. B. in einer Palliativversorgung) geeignet. Multifunktionsrollstühle wurden weitgehend durch Indoor-Elektrorollstühle abgelöst, die eine selbständige Veränderung der Sitzneigung (Sitzkantelung), Sitzhöhe (Hubfunktion) und Ausrichtung des Rollstuhls (Fahrfunktion) ermöglichen.



