Was ist die Zielstellung von Ergotherapie bei der ALS?
Die Ergotherapie ist eine Form der medizinischen Behandlung mit Unterstützung von speziell qualifizierten Therapeuten, die Patienten bei der Durchführung von komplexen Tätigkeiten unterstützt. Ergotherapie kommt bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen zum Einsatz, in denen Gehirn- und neurologische Körperfunktionen gestört sind. Bei der ALS sind die Gedächtnis- und Planungsleistungen des Gehirns, die für die Durchführung von gezielter Tätigkeit und Alltagsverrichtungen notwendig sind, zumeist ungestört (Einschränkung bei frontotemporaler Demenz, FTD). Trotz Erhalt der »geistigen« Funktionen wird bei der ALS die motorische Körperfunktion durch Paresen (Lähmungen) und Spastik (Steifigkeit) reduziert.
Bei der ALS konzentriert sich die Ergotherapie auf die Behandlung der motorischen Funktionsdefizite. In Unterscheidung zur Physiotherapie (die der motorischen Funktionsstärkung des eigenen Körpers dient) wird bei der Ergotherapie die Interaktion zwischen Patienten und Umwelt trainiert. Unter »Umwelt« ist die Gesamtheit an Personen und Gegenständen zu verstehen, die mit dem Patienten in Verbindung stehen. In diesem Sinne erfährt der Patient eine Beratung, Schulung, Anleitung und Übung, bestehende motorische Defizite zu kompensieren oder neue motorische Handlungsabläufe einzusetzen. Typische ergotherapeutische Anwendungsgebiete ist das Handtieren mit Besteck, das eigene Anreichen der Speisen, das Bewegen in einer Küche, das Ankleiden, die Körperpflege und das Bewegen in der Wohnung und im öffentlichen Raum – trotz bestehender motorischer Defizite.
Der Schwerpunkt der Ergotherapie liegt bei den oberen Extremitäten, jedoch ist auch die gezielte Therapie anderer Körperregionen (Rumpf und untere Extremitäten) von Bedeutung. Begleitend zur Physiotherapie (Gangtraining) kann die Ergotherapie auch bei der Kompensation von Lauf-, Geh- und Stehdefiziten realisiert werden. Die Ergotherapie steht in Wechselwirkung zur Physiotherapie und logopädischer Behandlung. Sie ist ein wesentliches Therapieelement in der Stärkung der Alltagskompetenz von Menschen mit ALS.



