Kann eine Krebserkrankung eine ALS verursachen?
Der Zusammenhang zwischen onkologischen Erkrankungen und der ALS wird seit mehr als 50 Jahren untersucht und diskutiert. Gesichert ist lediglich der Zusammenhang zwischen dem malignen Lymphom (bösartiger Lymphknotenkrebs mit Befall der Lymphknoten, der Milz und des Knochenmarks) und einer speziellen Form der ALS. Das Lymphom kann in sehr seltenen Konstellationen zu einer Degeneration motorischer Nervenzellen führen und eine Lähmungserkrankung auslösen.
Diese Erkrankung wird als paraneoplastische Motoneuron-Erkrankung (oder auch paraneoplastische ALS) bezeichnet. »Paraneoplastisch« lässt sich als »neben (para) der Geschwulst (Neoplasie)« übersetzen. Die paraneoplastische Motoneuron-Erkrankung unterscheidet sich in der Symptomausprägung von der typischen ALS. Der Muskelschwund (Myatrophie) ist bei der paraneoplastischen ALS hochgradig ausgeprägt, rumpfbetont und weitgehend symmetrisch, während bei der typischen ALS die Myatrophien und Paresen (auch im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf) asymmetrisch sind und eine Seitenbetonung zeigen. Symptome des ersten motorischen Neurons (Reflexsteigerung oder Spastik) sind bei der paraneoplastischen ALS ebenfalls nicht oder kaum vorhanden.
Für andere Krebsformen (insbesondere Hirntumoren, Brustkrebs, Bronchialkarzinom, Tumore des Magen- und Darmtraktes, Hautkrebs und andere solide Tumore) ist bisher kein ursächlicher Zusammenhang zur ALS hergestellt worden. Aufgrund der Häufigkeit von Krebserkrankungen in der Gesamtbevölkerung kommt es gelegentlich zu einer »Doppelerkrankung« (genannt »Komorbidität«) von Tumor und ALS. Durch die Krebsbehandlung (einschließlich Chemotherapie, Strahlentherapie oder Knochenmarktransplantationen) konnte keine positive Beeinflussung der ALS-Symptomatik beobachtet werden.
