Ist das Verdauungssystem bei der ALS betroffen?
Die ALS betrifft die Willkürmotorik und lässt alle Muskeln ausgespart, die nicht der willkürlichen Kontrolle unterliegen. Damit ist die Muskulatur des Magen- und Darmtraktes nicht unmittelbar betroffen.
Dennoch kann eine indirekte Beeinträchtigung der Verdauung entstehen. So kann durch eine Schluckstörung eine Anpassung der Ernährung notwendig sein. Dazu gehört eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und der Nahrungszusammensetzung bis hin zur Nutzung einer Trinknahrung oder zu einer Sondenernährung über eine PEG. Die Veränderung der Nahrungszusammensetzung, insbesondere in den anteiligen Ballaststoffen, kann mit Diarrhoe (Durchfall) oder Obstipation (Verstopfung) verbunden sein. Zumeist lassen sich diese unerwünschten Auswirkungen der veränderten Ernährung durch weitere Anpassung der Ernährung verbessern. An dieser Stelle sind Ernährungsberater eine wichtige Unterstützung, da sie über das notwendige Expertenwissen verfügen, die Nahrung und gegebenenfalls spezielle Ernährungsprodukte an die neue Situation anzupassen.
Die Einschränkung in der Mobilität ist ein weiterer Faktor, der sich auf die Verdauung auswirkt. Der Rückgang der körperlichen Aktivität, insbesondere des aufrechten Ganges, und die Zunahme der sitzenden oder liegenden Position hat einen ungünstigen Effekt für die Verdauungsaktivität. Eine regelmäßige Physiotherapie, die Nutzung von therapeutischen Bewegungsgeräten, von Therapietischen und Stehrollstühlen tragen, je nach Situation und Krankheitsverlauf, zu einer Verbesserung der Verdauung und der Abwendung einer Verstopfung (Obstipation) bei.
Im Gegensatz zur Darmmuskulatur ist die Muskulatur der Bauchwand bei der ALS betroffen (sie kann willkürlich angespannt werden und unterliegt der Kontrolle durch Motoneurone). Die Muskelspannung der Bauchwand sorgt für eine Grundspannung innerhalb des Bauchraumes, die für die Darmbewegung ebenfalls bedeutsam ist. Eine motorische Erschlaffung der Bauchwand ist damit einer von mehreren Faktoren, die eine Verstopfung begünstigen. An dieser Stelle setzt eine spezielle Form der Physiotherapie an, die als Kolonmassage bezeichnet wird. Darunter ist die äußere Massage der Bauchwand zu verstehen, mit der die geschwächte Motorik der Bauchwand unterstützt und die Darmbewegungen stimuliert werden sollen. Die Obstipation ist insgesamt das häufigste indirekte Symptom am Verdauungssystem bei der ALS und erfordert die Erfassung, Berücksichtigung und Behandlung der unterschiedlichen ursächlichen Faktoren.
