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Was ist eine Orthese?

In dem Begriff der Orthese ist das altgriechische Wort »Ortho« enthalten, das als »aufrecht« zu übersetzen ist. Die Orthese steht für medizinische Hilfsmittel, um Extremitäten oder den Rumpf in eine »aufrechte« Position zu bringen, die durch eine Erkrankung geschwächt oder verändert sind.

Eine Lähmung (Parese) oder eine erhöhte Muskelspannung (Spastik) kann zu einer Instabilität der Füße, Beine, der Hände, des Halses und Rumpfes führen, die jeweils zur Unterstützung eine Orthese benötigen. Eine einfache Übersetzung für das Wort Orthese ist der Begriff der »orthopädischen Schiene«. Bereits aus dieser Begrifflichkeit wird erkennbar, dass Orthesen darauf abzielen, geschwächte oder spastische Körperregionen zu stabilisieren und aufrechtzuerhalten.

Bei der ALS wird am häufigsten eine Fußheberorthese (Peroneusorthese) eingesetzt, die dazu dient, die Schwäche der Fußhebermuskulatur auszugleichen und die Gangbehinderung durch einen »Fallfuß« zu reduzieren. Weitere Orthesen dienen der Stabilisierung der Kopfposition, falls eine Schwäche der Kopfhaltemuskulatur entsteht (zervikale Orthese; Halsorthese). Die Schwäche oder Spastik der Handmuskulatur kann zur Entwicklung von Handbeugerkontrakturen (»Krallhand«) führen, die durch eine Lagerungsorthese des Unterarms und der Hände abgewendet wird. Bei einer Schwäche der Rückenmuskulatur kann eine Rumpfinstabilität entstehen, die wiederum zur Notwendigkeit einer Rumpforthese führt.

Grundsätzlich sind Orthesen von einem Arzt zu veranlassen und zu verordnen und zulasten der Krankenversicherung erstattungsfähig. Orthesen werden in orthopädiemechanischen Werkstätten und spezialisierten Sanitätshäusern erstellt, angepasst und erprobt. Für die Akzeptanz und Nutzbarkeit der Orthese ist die individuelle Anpassung an den Körper und Behandlungsziel des Patienten von entscheidender Bedeutung. Bei Orthesen ist zwischen vorgefertigten Medizinprodukten (Lieferung eines vorgefertigten Produktes von einem Orthesen Hersteller und Anpassung durch das Sanitätshaus vor Ort) von individualisierten Anfertigungen (zumeist auf Basis eines Gipsabdruckes der Extremität oder anderer individueller Körpermaße) zu unterscheiden. Die Auswahl, Fertigung und Anpassung von Orthesen (insbesondere bei Individualfertigungen) setzt ein hohes Maß an Erfahrung und Fertigkeit durch das versorgende Sanitätshaus voraus.

Innerhalb des Sanitätshauses sind qualifizierte Orthopädiemechaniker mit der Orthesenversorgung betraut. Dabei ist von Vorteil, wenn die jeweiligen Sanitätshäuser Erfahrungen in der Versorgung von ALS-Patienten aufweisen, um den individuellen Krankheitsverlauf bei der Orthesenherstellung zu berücksichtigen. Die Herausforderung bei einer fortschreitenden Erkrankung, wie der ALS, besteht darin, die zukünftige Progression der Muskelschwäche und Spastik abzuschätzen und bei der Erstellung der Orthese »einzuplanen«. Damit soll abgewendet werden, dass eine Orthese (bedingt durch die fortschreitende Erkrankung) nicht mehr passend ist, wenn das Hilfsmittel zur Auslieferung kommt. Aufgrund der besonderen Ansprüche an die Orthesenversorgung ist die Inanspruchnahme spezialisierter Sanitätshäuser im Ambulanzpartner Versorgungsnetzwerk vorteilhaft.

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