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Was ist die Zielstellung von Logopädie bei der ALS?

Erfahrungsgemäß kann mit einer Logopädie keine Verbesserung des Sprechens erreicht werden. Ein realistisches Ziel ist die Verzögerung in der Abnahme der Sprechfunktion. In der Logopädie werden besonders schwierige Lautverbindungen durch wiederholte Anwendungen »trainiert« und damit eine Kräftigung der Zungen-, Schlund- und Kehlkopfmuskulatur beabsichtigt. Diese Form der Logopädie ist in einer vereinfachten Betrachtungsweise als »Physiotherapie des Sprechens« zu verstehen. Neben dem Training der Sprechmuskulatur wird die bewusste Abstimmung von Sprechen und Atmung geschult und geübt. Der reguläre Sprechvorgang beinhaltet ein Einatmen und das anschließende Ausatmen durch den Kehlkopf (»Stimmlippen«), in dem die Laut- und Stimmbildung stattfindet.

An diesem grundsätzlichen Vorgang ist der enge Zusammenhang zwischen Atmung und Sprechen erkennbar. Logopäden unterstützen ALS-Patienten darin, die Einatmung und das Sprechen bewusster abzustimmen und auf die eigenen Kapazitäten abzustimmen. Bei der ALS können sowohl die Sprechmuskeln (Kehlkopf, Schlund und Zunge) als auch die Atemmuskulatur eingeschränkt sein. Daher kann eine veränderte »Einteilung« des Sprechens, z. B. die Formulierung kürzerer Sätze, oder die veränderte Akzentuierung längerer Sätze notwendig sein. Im weiteren Krankheitsverlauf kann es zu einer hochgradigen Einschränkung oder zu einem Verlust des Sprechens kommen (Anarthrie). In dieser Konstellation können Logopäden darin unterstützen, alternative Kommunikationsformen, z. B. über elektronische Kommunikationshilfen zu identifizieren, anzupassen und zu trainieren. Obgleich im Begriff der »Logopädie« die verbale Kommunikation im Vordergrund steht, ist die Unterstützung der Schluckfunktion eine zentrale Domäne dieser Behandlungsform. Mit den motorischen Defiziten der Zungen-, Schlund- und Kehlkopfmuskulatur ist eine fortschreitende Schluckstörung (Dysphagie) verbunden. In der Logopädie werden Patienten (und ihre Angehörigen) zu den Grundprinzipien des Schluckens und zur notwendigen Anpassung der Schluckvorgänge informiert und geschult. So kann die veränderte Körperhaltung und das Vermeiden von Kopf- und Körperpositionen, die für den Schluckvorgang ungünstig sind, »trainiert« werden. Auch beim Schluckvorgang ist eine enge Abstimmung mit dem Atmungsprozess gegeben.

Ein Schlucken findet erst dann statt, wenn die Luftwege am Kehlkopf sicher verschlossen sind. Zwischen Schlucken und Atmen besteht ein Entweder-oder-Prinzip. Während des Schluckens kann nicht geatmet werden. Eine Abstimmung zwischen beiden Vorgängen (Schlucken und Atmen) ist besonders relevant, wenn eine Schluckstörung (Dysphagie) und Atemschwäche (Hypoventilation) vorliegt. In dieser Konstellation sollte die Nahrung so klein portioniert werden, dass die Atmung nicht zu lange unterbrochen wird. Weiterhin kann die Schluckstörung mit einem Risiko des »Verschluckens« (Aspiration) verbunden sein. Beide Aspekte werden in einem Schlucktraining berücksichtigt. Bei einer fortschreitenden Schluckstörung tragen Logopäden (neben Ärzten) zur diagnostischen Einschätzung bei, die Notwendigkeit einer Nahrungsanpassung (Adaptation), einer Trinknahrung (hochkalorische Zusatzernährung) oder der Einleitung einer Sondenernährung (perkutane endoskopische Gastrostomie, PEG-Sonde) festzustellen. Bei der Anpassung einer Ernährungstherapie findet eine enge Abstimmung zwischen Logopäden und Ernährungstherapeuten statt. Beide Therapeutengruppen sind an der Diagnostik, Schulung, Behandlung und der täglichen Handhabung von Ernährungstherapie beteiligt.

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