Welche Medikamente sind bei Speichelfluss bei der ALS wirksam?
Ein überschüssiger Speichelfluss (Sialorrhoe) entsteht durch eine Schluckstörung (Dysphagie). Bei der ALS besteht keine Überproduktion von Speichel, sodass der Überschuss an Speichel im Mund- und Rachenraum durch das reduzierte Hinunterschlucken des Speichels entsteht (das sonst unbemerkt und kontinuierlich geschieht). Der Speichelfluss kann durch verschiedene Medikamente reduziert werden, die aufgrund ihrer pharmakologischen Wirkung zu einer reduzierten Sekretbildung führen.
Die Speicheldrüsen werden durch das vegetative Nervensystem (auch »autonomes Nervensystem« genannt) und den darin enthaltenen Botenstoff Acetylcholin angeregt. Zur Reduktion des Speichelflusses kommen Medikamente infrage, die den Botenstoff Acetylcholin (an der Verbindung zwischen vegetativen Nerven und den Speicheldrüsen) hemmen können (»anticholinerge« Medikamente). Häufig eingesetzte Medikamente sind Amitriptylin, Atropin, Pirenzepin und Ipratropiumbromid. Diese Medikamente werden ursprünglich zur Behandlung anderer Erkrankungen verwendet und weisen die Nebenwirkung einer verminderten Speichelproduktion auf. Diese »Nebenwirkung« wird in der Behandlung des überschüssigen Speichelflusses »ausgenutzt«. Damit wird die vormalige Nebenwirkung (bei anderen Erkrankungen) zu einer Hauptwirkung bei der ALS.
Ein besonders effektives Medikament zur Reduktion des Speichelflusses ist Botulinumtoxin, das mit einer feinen Injektionskanüle unter Ultraschallkontrolle in die Ohrspeicheldrüse (lateinisch: Glandula parotis) oder Mundspeicheldrüse (lateinisch: Glandula submandibularis) appliziert werden kann. Botulinumtoxin ist ein hocheffektives Präparat zur Blockade von Acetylcholin und der durch Acetylcholin angeregten Speichelbildung. Die Wirkung hält zwei bis vier Monate an. Zumeist kann wenige Tage nach Injektion des Medikamentes (und Infiltration der Substanz in die Speicheldrüse) ein deutlicher Rückgang der Speichelbildung (und damit des überschüssigen Speichelflusses) erzielt werden. Nachteilig ist die aufwendige Anwendung (Injektion unter Ultraschallkontrolle zumeist durch erfahrene Fachärzte für Neurologie oder HNO-Medizin) sowie eine nachlassende Wirkung, die eine erneute Injektion im Abstand von zwei bis vier Monaten erfordert. Aufgrund der genannten Nachteile ist die Behandlung durch orale Medikamente zu bevorzugen.



