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Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen bei einer Spastik?

Spastik ist eine erhöhte, unwillkürliche und unerwünschte Muskelanspannung, die durch einen Funktionsverlust motorischer Nervenzellen entsteht. Mit der erhöhten und unkontrollierten Muskelspannung können verschiedene Belastungen verbunden sein, die unterschiedlich behandelt werden.

Eine intensivierte Physiotherapie (und der Einsatz von therapeutischen Bewegungsgeräten) ist die erste und wichtigste Behandlungsform, um die Beweglichkeit der Muskulatur zu erhalten, die Muskelspannung zu reduzieren und Komplikationen der Spastik (Sehnenverkürzungen, schmerzhafte Gelenkveränderungen und Einengungen von Gelenkkapseln u. a.) zu reduzieren.

Auch pharmakologisch bestehen mehrere Möglichkeiten der Spastikbehandlung. Bei einer leichten Spastik kann durch die Behandlung mit 4-Aminopyridin, zumindest bei einem Teil der Betroffenen, eine Verbesserung der spastischen Gangstörung erreicht werden. Durch Studien bei der Multiplen Sklerose (bei der ebenfalls eine Spastik auftreten kann) konnte gezeigt werden, dass 4-Aminopyridin die Signalübertragung in bestimmte Nervenbahnen positiv beeinflussen und die spastische Gangstörung reduzieren kann. Nach dem gleichen Prinzip kann die Verwendung von 4-Aminopyridin auch bei der ALS zur Verbesserung des Laufens sinnvoll sein. Bei einer ausgeprägten Spastik und belastenden Symptomen (z. B. bei spastikbedingten Schmerzen) ist die Behandlung mit spastiklösenden Medikamenten (Spasmolytika) möglich. Diese Medikamente werden auch als »Muskelweichmacher« bezeichnet. Baclofen und Tizanidin sind etablierte Spasmolytika, die eine Verminderung der Muskelspannung erreichen können.

Eine zunehmende Bedeutung erlangt die Handlung mit cannabishaltigen Medikamenten. Durch Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol (THC:CBD) kann ebenfalls eine Symptomminderung der Spastik erreicht werden. THC:CBD ist eine Behandlungsoption, wenn Spasmolytika (Baclofen, Tizanidin) nicht wirksam oder nicht ausreichend vertragen werden.

Bei besonders schwerer Spastik einzelner Muskelgruppen (»fokale« Spastik mit Bildung eines »Spitzfußes«, einer »spastischen Faust« oder einer Adduktorenspastik kann die Behandlung mit Botulinumtoxinen eine wichtige Behandlungsoption darstellen. Botulinumtoxine sind eine Gruppe hochwirksamer »Muskelweichmacher«, die durch Injektion des Medikamentes in die Muskulatur zur Wirkung kommen. Vorteilhaft an Botulinumtoxinen ist die hohe Wirksamkeit bei geringen Nebenwirkungen – das Medikament verbleibt in der Muskulatur und dringt nicht in das Kreislaufsystem und in den sonstigen Körper ein. Nachteilig ist die örtliche Begrenzung der Wirksamkeit – das Medikament wirkt lediglich in der injizierten Muskulatur. Die Injektion kann schmerzhaft sein und muss alle drei bis vier Monate wiederholt werden. 

Insgesamt haben sämtliche Spastik-Medikamente spezifische Verwendungskriterien, Vorteile, Begrenzungen und Nebenwirkungen. Daher ist die Medikamentenbehandlung der Spastik eine große Herausforderung und wird zumeist durch Fachärzte für Neurologie mit Erfahrung der Spastik-Behandlung durchgeführt und in einem intensiven Arzt-Patienten-Dialog entschieden.

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