Was bedeutet »Doppeleffekt« in der Medikamentenbehandlung?
Morphine, Benzodiazepine und andere palliative Medikamente können mit einem »Doppeleffekt« verbunden sein. Darunter ist zu verstehen, dass diese Medikamente zu einer Linderung von Symptomen führen, aber zugleich mit einer Verkürzung der verbleibenden Lebensspanne verbunden sein können. Eine Verkürzung der Lebenszeit durch palliative Medikamente ist dann möglich, wenn die Atemfunktion durch die ALS bereits hochgradig eingeschränkt ist und der beruhigende Effekt des Medikamentes eine weitere Dämpfung der Atemfunktion bedingt. In dieser Situation können die Medikamente zu einer Schläfrigkeit (Sedierung) führen und die körpereigene Kohlendioxid-Anreicherung verstärken (Kohlendioxid-Narkose). Auf diese Weise können palliative Medikamente den Sterbeprozess beschleunigen, der sich ohne Medikation zu einem etwas späteren Zeitpunkt eingestellt hätte.
Vor einer Behandlung mit palliativen Medikamenten (z. B. mit Morphinen und Benzodiazepinen) sollten die Betroffenen und ihre Angehörigen über den möglichen Doppeleffekt informiert und beraten werden.
