Welche pharmakologischen Behandlungsmöglichkeiten bestehen bei Atemanstrengung?
Eine verminderte Muskelkraft der Atemmuskulatur (Hypoventilation) kann zu einer erhöhten Atemanstrengung führen (Dyspnoe). Bei der Behandlung der Dyspnoe steht die Anwendung von Geräten der Atemunterstützung im Vordergrund (Atemhilfe über eine Maskenbeatmung oder Hustenassistenten). In bestimmten Konstellationen können die Atemgeräte nicht eingesetzt werden oder es besteht der Patientenwunsch, auf technische Unterstützungsmaßnahmen (und die damit verbundenen Aufwendungen) zu verzichten.
In dieser Situation kommen Medikamente zur Anwendung, die das Erleben der Atemanstrengung reduzieren. Zur Behandlung der Dyspnoe kommen Benzodiazepinen infrage (Lorazepam oder Diazepam). Es handelt sich um Sedativa (»Beruhigungsmedikamente«), die zwar nicht in der Lage sind, die Atemkraft zu stärken, aber geeignet sind, das subjektive Erleben der Atemanstrengung zu lindern. In diesem Sinne sind diese Medikamente als »Beruhigungsmittel« gegenüber der Dyspnoe zu verstehen.
Bei ausgeprägter Atemanstrengung (zumeist in Verbindung mit einer Einengung der Atemwege durch Sekret im Rachen, Schlund und Bronchien) kann die Verwendung von Morphinen (in Form von Tabletten, Tropfen oder Injektionen des Medikamentes unter die Haut) eine Erleichterung verschaffen. Morphine sind bekannt für ihre hohe Wirksamkeit gegenüber Schmerzen. Mit einem vergleichbaren Mechanismus können diese Medikamente auch eine wirksame und zuverlässige Abschirmung gegenüber der Atemanstrengung erreichen.
In besonderen Konstellationen (z. B. bei plötzlich auftretenden Episoden der Atemanstrengung und des Lufthungers) bestehen positive Erfahrungen mit Fentanyl, das in Form eines Nasensprays (nasale Applikation) verabreicht werden kann und sehr rasch (innerhalb weniger Minuten) zu einer Symptomlinderung führen kann. Fentanyl ist ein synthetisches Morphinpräparat, das eine erhöhte Wirkstärke gegenüber den konventionellen Morphinmedikamenten aufweist. Morphine und Fentanyl unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz und werden von Fachärzten verordnet, die über Erfahrung in der Morphinbehandlung im Bereich der Palliativmedizin verfügen. Die Entscheidung über die Verwendung von Benzodiazepinen und Morphinen wird im Wesentlichen durch den Schweregrad der Symptome, die Akzeptanz von möglichen Nebenwirkungen (z. B. von Müdigkeit nach Benzodiazepinen oder Obstipation nach Morphineinnahme) und das individuelle Behandlungsziel bestimmt. Diese Medikamente kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn das Behandlungsziel in einer palliativen Symptomlinderung besteht.
