Wie funktioniert eine Spastik-Behandlung mit Botulinumtoxin?
Spastikreduzierende Medikamente (Spasmolytika), die als Tablette eingenommen werden (orale Medikation) wirken auf die gesamte Muskulatur. Bei Patienten, die eine schwere Spastik an ausgewählten Körperstellen, z. B. an der Hand oder dem Fuß aufweisen (fokale Spastik), kann durch orale Medikamente zumeist keine ausreichende Behandlung erreicht werden.
In dieser Konstellation bietet sich die Therapie mit Botulinumtoxinen an – Medikamente, die unmittelbar in die Muskulatur injiziert werden und eine örtliche Herabsetzung der Muskelspannung bewirken. Diese Medikamentengruppe wurde vor mehr als 20 Jahren von einem Nervengift (daher die Bezeichnung »Toxin«) abgeleitet und nunmehr synthetisch hergestellt. Diese Substanz blockiert die Erregungsleitung am Übergang von motorischen Nervenzellen zur Muskulatur (motorische Endplatte) und reduziert damit die Muskelspannung. Die Blockade hält zwei bis vier Monate an, sodass in diesem Zeitraum diejenige Muskulatur entspannt wird, die von dem Botulinumtoxin infiltriert wurde. In dem genannten Zeitraum wird das Medikament vom Körper wieder abgebaut und die Muskelspannung kehrt zurück, sodass zur Abwendung einer weiteren Spastik das Medikament erneut appliziert werden muss.
Die Botulinumtoxin-Therapie besteht darin, dass ein spezialisierter Arzt (zumeist Facharzt für Neurologie mit Erfahrung der Botulinumtoxin-Therapie) mit einer feinen Nadel an mehreren Stellen die spastische Muskulatur punktiert und geringe Mengen des Medikamentes appliziert. Die Injektion erfolgt zumeist unter Ultraschallkontrolle. Für jeden Muskel werden mindestens zwei bis drei Injektionen erforderlich. In Abhängigkeit vom Umfang der notwendigen Behandlung kann die Behandlung 20–40 Minuten erfordern. Durch das Nachlassen der Botulinumtoxin-Wirkung ist eine erneute Injektion im Abstand von drei bis vier Monaten erforderlich.
