Welche Bedeutung haben alternativmedizinische Verfahren?
Durch die wissenschaftlich basierte Medizin ist noch keine Heilung der ALS möglich. Auch ein Stillstand oder hochgradige Verlangsamung der ALS ist noch nicht realistisch. Vor diesem Hintergrund begeben sich zahlreiche Patienten auf eine (nachvollziehbare) Suche nach alternativen Therapien. Das Spektrum der angebotenen Behandlungsverfahren ist sehr breit und beinhaltet zumeist die Einnahme von Vitaminen, Spurenelementen und Nahrungsergänzungsmitteln. Hinzu kommen verschiedene »Diäten« und »Entgiftungsverfahren«.
Die Behandlung wird außerhalb von ALS-Zentren und neurologischen Kliniken angeboten und zumeist von Ärzten und Therapeuten vorgeschlagen, die über keine Facharztausbildung für Neurologie oder eine ALS-Spezialisierung verfügen. In der eigenen Erfahrung mit zahllosen Berichten aus verschiedenen alternativmedizinischen Verfahren ist kein Patient bekannt, der eine Heilung, einen Stillstand oder nachhaltige Erkrankungsverlangsamung durch eine alternativmedizinische Behandlung erreichen konnte. Bei ausgewählten Anwendungen, z. B. durch bestimmte Massagetechniken oder energiereiche Ernährung, ist die Verbesserung von Symptomen möglich. Weiterhin ist durch alternativmedizinische Behandlungen, und die damit verbundene Hoffnung eines therapeutischen Effektes, eine psychologische Stärkung und eine Verbesserung der Krankheitsbewältigung (»Coping«) denkbar. Dieser Aspekt wurde bisher noch nicht systematisch untersucht.
Insgesamt sind alternativmedizinische Verfahren nicht als »Alternative« im Sinne eines Gegenentwurfes zur spezialisierten ALS-Versorgung zu empfehlen, sondern als Ergänzung zu verstehen. Daher ist der Begriff der »Komplementärmedizin« (ergänzende Medizin) gegenüber der Bezeichnung der Alternativmedizin zu bevorzugen. Dabei ist empfehlenswert, dass die Patienten auch von den komplementärmedizinischen Maßnahmen bei der Visite an ALS-Zentren berichten, um eine Einschätzung und Überprüfung der Behandlung zu überprüfen. Dabei ist zu bedenken, dass bestimmte Maßnahmen mit negativen Effekten verbunden sein können (z. B. Verstärkung von Unterernährung durch ungünstige Diäten und »Detoxifizierungen«).
