Was ist die Ursache der ALS?
Die Ursache der ALS ist zum großen Teil unbekannt. Nur bei etwa 5–10 % aller Menschen mit ALS liegt eine genetische Veränderung vor, die eine ALS verursachen oder das Risiko einer ALS erhöhen kann. Für die große Mehrheit der Betroffenen ist die eigentliche Ursache der Erkrankung noch unverstanden. Selbst bei der seltenen genetischen Form ist ungeklärt, warum die Mutationen entstehen. Neben der Ursache (»Warum?«) ist der Krankheitsmechanismus von Bedeutung (»Was geschieht?«).
Der Krankheitsmechanismus wird als Pathogenese bezeichnet. Bei der Aufklärung der Pathogenese wurden erhebliche Fortschritte erzielt. Bereits seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass sich innerhalb der motorischen Nervenzellen (Motoneurone) bestimmte Eiweißablagerungen nachweisen lassen, die (nach der Entdeckerin, einer russischen Neuropathologin) als »Bunina-Körperchen« bezeichnet werden. Alle ALS-Patienten weisen als pathologisches Merkmal Eiweißablagerungen in motorischen Nervenzellen auf. Daher wird die ALS auch als Proteinablagerungserkrankung (»Proteinopathie«) betrachtet.
Im Jahr 2006 wurde entdeckt, dass bei über 90 % aller Patienten die Proteinablagerungen (Bunina-Körperchen) das Eiweiß TDP-43 enthalten. Von Bedeutung ist, dass auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen (wie die Alzheimer- und Parkinsonerkrankung) sich Eiweißablagerungen nachweisen lassen. Allen neurodegenerativen Erkrankungen ist gemeinsam, dass es sich um »Proteinopathien« handelt – allerdings unterscheiden sich die Erkrankungen in der Lokalisation und Zusammensetzung der Eiweißablagerungen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Ablagerungen von TDP-43 zur Schädigung der motorischen Nervenzelle beitragen. Therapiestrategien der Zukunft zielen darauf ab, die Ablagerung von TDP-43 und anderen Proteinen zu verhindern oder zu reduzieren.
