Programme

The ALS-Pharmacy-Program

Das ALS-Apotheken-Programm ist ein Angebot der spezialisierten Medikamentenbehandlung und der Teilnahme an medizinischer Forschung für Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS).

Bei einer Registrierung für das ALS-Apotheken-Programm können Apotheker und Koordinatoren sowie Ärzte und Forschungseinrichtungen über eine digitale Plattform verbunden werden – über das Ambulanzpartner Versorgungsportal. Weiterhin ist die Teilnahme an Umfragen und Forschungsvorhaben sowie die Nutzung der ALS-App über das persönliche Konto möglich.

Wichtig ist, dass die Teilnahme am ALS-Apotheken-Programm auch für Patienten geeignet ist, die keine Erfahrung oder Möglichkeit der Internet-Nutzung haben. In dieser Konstellation nutzen die Apotheker, Koordinatoren und Wissenschaftler das Ambulanzpartner Versorgungsportal „untereinander“ – die Kontaktaufnahme mit dem Patienten erfolgt dann wahlweise per Telefon, SMS, E-Mail oder per Post.

In einem persönlichen, telefonischen oder elektronischen Kontakt mit Patienten (und ihren Angehörigen), medizinischen Partnern (Ärzte, Sozialdienste) sowie Versorgern realisieren Koordinatoren ein Versorgungsmanagement für notwendige Medikamente und Medizinprodukte.

Die Regelversorgung durch Ärzte und andere Leistungserbringer bleibt durch das ALS-Apotheken-Programm unberührt. Die Entscheidung und Auswahl („Indikation“) für Medikamente liegt uneingeschränkt beim Arzt. Die Prüfung der Angemessenheit und Wirtschaftlichkeit einer Versorgung bleibt ebenfalls in unveränderter Verantwortung beim Arzt. Der Patient ist berechtigt und in der Lage, die Teilnahme am ALS-Apotheken-Programm jederzeit und ohne Angabe von Gründen zu beenden.

Das Apotheken-Programm wird Patienten unter den folgenden, besonderen Bedingungen angeboten:

a) bei Erkrankungen mit besonderen Bedingungen:
• schwerwiegende Erkrankung
• komplexe chronische Erkrankung
• seltene Erkrankung

b) bei einer Versorgung mit besonderen Bedingungen:
• hohe organisatorische Aufwendungen in der Versorgung für Patienten und medizinische Partner
• hoher Spezialisierungsbedarf zur Sicherung der Versorgungsqualität
• hoher Abstimmungsbedarf verschiedener medizinischer Partner und Versorger
• hoher Bedarf der Versorgungsforschung

Bei komplexen und seltenen Erkrankungen können besondere Bedarfe der Medikamentenversorgung bestehen, die sich auf die folgenden Aufgabenbereiche von Apothekern beziehen:

• Beratung zu Arzneimitteln
• Herstellung von Rezepturen
• Zusammenarbeit mit Versorgungspartnern anderer Gesundheitsberufe

Beratung zu Arzneimitteln

Die Beratung zu Wirkungen und Nebenwirkungen sowie die Unterstützung der sachgerechten Anwendung von Arzneimitteln gehört zu den regulären Aufgaben des Apothekers. Bei komplexen und seltenen Erkrankungen ist jedoch von Vorteil, wenn eine besondere Expertise des Apothekers zu den genannten Erkrankungen vorliegt. So kann ein Erfahrungswissen über Dosis-Wirkungs-Beziehungen und Nebenwirkungen in die Beratung des Apothekers über Wirkungen und Risiken von Arzneimitteln sowie ihre sachgemäße Anwendung eingebracht werden.

Ein spezialisierter Beratungsbedarf besteht bei einem erhöhten Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen sowie bei der Arzneimitteltherapie in einem indikationsfremden Anwendungsgebiet oder einer veränderten Anwendungsart (zulassungsüberschreitenden Anwendung; „Off-Label-Use“). Weiterhin kann ein spezialisierter Beratungsbedarf entstehen, wenn besondere Anwendungsbedingungen für Arzneimittel vorhanden sind. Im Apotheken-Programm wird die Versorgung von Patienten koordiniert, bei denen ein besonderer Beratungsbedarf insbeson-dere durch die folgenden Anwendungsbedingungen vorliegt:

• Dysphagie (Schluckstörung)
• Sialorrhoe (unkontrollierter Speichelfluss)
• Perkutane Endoskopische Gastrostomie (künstliche Ernährung per Sonde
)

Bei komplexen und seltenen Erkrankungen können besondere Umstände der Beratung vorliegen und damit spezielle kommunikative und psychosoziale Anforderungen an den Apotheker sowie an die technische Infrastruktur der Apotheke entstehen. Im Apotheken-Programm wird die Versorgung von Patienten koordiniert, bei denen insbesondere ein besonderer Beratungsbedarf durch die folgenden Beratungsumstände vorliegt:

• Einschränkung oder Verlust der Sprachproduktion des Patienten in der Beratung
• Verlust von Telefonie und notwendige Nutzung digitaler Medien in der Beratung und im weiteren Kommunikationsprozess
• Locked-In-Syndrom (Verlust von Mobilität und Kommunikation bei erhaltenen intellektuellen Funktionen)


Herstellung von Rezepturen

Die Herstellung von Rezepturen gehört zu den regulären Aufgaben des Apothekers. Ein spezialisierter Bedarf besteht, wenn seltene Rezepturen entwickelt, hergestellt und vorgehalten werden müssen. Im Apotheken-Programm wird insbesondere die Versorgung von Patienten koordiniert, bei denen ein besonderer Bedarf für die Herstellung und zeitgerechte Belieferung von Rezepturen für die folgenden Arzneimittelgruppen vorliegt:

• Anticholinergika zur Behandlung von Sialorrhoe
• Cannabis-haltige Medikamente zur Behandlung von Crampi, Spastik und Faszikulationen
• 4-Aminopyridin-haltige Spasmolytika zur Behandlung von Spastik
• Dextromethorphan-haltige Medikamente zur Behandlung der motorischen Disinhibition

Zusammenarbeit mit Versorgungspartnern anderer Gesundheitsberufe

Die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderen Heilberufen gehört zu den regulären Aufgaben des Apothekers. Bei komplexen, seltenen und chronischen Erkrankungen besteht ein besonderer Bedarf des Zusammenwirkens, um die Beratung zu Arzneimittelrisiken und der sachgemäßen Anwendung von Medikamenten zu gewährleisten. Im Apotheken-Programm wird die Versorgung von Patienten koordiniert, bei denen ein besonderer Abstimmungsbedarf des Apothekers mit Versorgungspartnern wie beispielsweise Versorger von PEG-Sonden vorliegt:

• Versorger von PEG-Sonden: Die Arzneimittelgabe über eine PEG-Sonde ist eine interdisziplinäre Aufgabe und erfordert spezielles Fachwissen aller Beteiligten, denn es sind medizinische, pflegerische und pharmazeutische Aspekte zu berücksichtigen. Optimal sind eine patientenindividuelle Datenerfassung, eine Beurteilung der PEG-Eignung der Arzneimittel durch den Apotheker sowie eine Endkontrolle und Verordnung durch den Arzt. Durch eine gezielte Beratung von Pflege- und Ernährungsversorgern durch den Apotheker werden ein fachgerechter Umgang mit PEG-Sonden und die Arzneimittelsicherheit gewährleistet. Die schadhafte Verlegung von Sonden durch Arzneimittel kann verhindert werden.

Vor der Teilnahme am Apotheken-Programm ist eine Registrierung und die Unterzeichnung mehrerer Dokumente erforderlich – zur Gewährleistung der medizinischen Wahlfreiheit und des Datenschutzes. Für die Registierung und die dafür notwendigen Dokumente nehmen Sie bitte hier teil:

IHRE ANSPRECHPARTNERIN FÜR DAS PROGRAMM

Frau Viktorija Vranjes

Telefon: 030-81031410 apotheke@ambulanzpartner.de